Die Linde

Der Baum ruht majestätisch, ein Immerdawesen, erschaffen aus Licht und Luft. Er herrscht über den Platz und das unter ihm liegende Camp. Sonne, Wind und Wolken kennen ihn beim Namen und rufen ihn ‘große Linde’. Regenbögen ziehen über der großen Linde auf, nur, um ihre Blätter zu berühren. Weiterlesen

Der Abgrund

Die Vorstellung von Tiefe ändert sich grundlegen, wenn der Blick von der Kante in den Abgrund hineinfällt, Terasse um Terasse, Sohle um Sohle, eine rasanter Absturz durch die Äonen der Erdgeschichte. Das mögliche Ausmaß an Zerstörungswut, die in dunklen Seelen toben kann, offenbart sich bei der Betrachtung der unzähligen Bodenschichten, die in schmerzhaft obszöner Nacktheit übereinander liegen und sich schutzlos entblößte unter dem kalten Wind ausbreiten. Aufgebrochen sind diese Erde und ihr gutes Ackerland, ihrer Würde gewaltsam beraubt und achtlos weggeworfen als totgenutzte Hinterlassenschaft am Rand der Autobahn auf dem Weg zur Auslöschung der Zivilisation. Weiterlesen

Die Kapelle

Das Land, das man von der Höhe Lützerath betrachten kann beim Blick nach Westen, war gesegnet. Der Boden ist vor Jahrtausenden entstanden, als Gletscher den Kontinent vereisten und Wind den Staub und den Kalk zu feinstem Sand zerrieben. Die Wolken, die hier über die Landschaft ziehen, tragen grau und schwer an Regen. Seit Jahrhunderten wässern sie den Bauern zuverlässig die Äcker, denn der Himmel ist der Erde hier besonders nahe. Weiterlesen