Regennacht

Müde fällt das Rot des Abends
Auf verrußten Kirchturmbau.
Tief hängt noch im kargen Osten
Schieferdunkles Wolkengrau.

Faulig modern lila Blüten,
Regenduft betäubt die Stadt,
Still versinken Straßenlichter
See ruht glatt und platinmatt.

Feuerwerk entzündet kalten
Himmel einer Sommernacht,
Männerstimmen torkeln trunken,
Frauenglück durch Gassen lacht.

Träge steigen Seifenblasen
Eines alten Sommertraums
In die Luft, zerplatzen lautlos
Im Geäst des Kirschenbaums.

Leise rieseln Silbersplitter
Einer längst zerbroch’nen Zeit
Durch verstaubte Wandelgänge,
Auf zerrissenes Frühlingskleid.

Wieder werfen Grabmalsteine
Alter Schatten tiefes Schwarz
Auf verwelkte Trauerkränze,
Süß der Duft von Bronzeharz.

Braune Blicke ätzen schwarze
Kreuze ein in meine Haut.
Hinter Trauerschleiern bluten
Lippen einer bleichen Braut.

Trauerkerzen flackern tränend
In den leichten Abendwind.
Offen steht Kapellentüre,
Bleiglasfenster schauen blind.

Knisternd brennt in goldner Schale
Ein vergess’nes Frauenbild,
Lilienkranz auf schwarzen Haaren,
Trägt ein Lachen, seidenmild,

Bis in meine letzten Träume,
Wo ein feuchter Nebeltanz
Tempeltrümmer weiß umschleiert.
Stumpf verklingt der Liebe Glanz.