Herbstnachtwanderung

In der Seele ist verklungen
Atem kalter Tagesstunden.
Schmerzhaft brennen Wunden
Roter Traumerinnerungen
sonnenuntergang_400

Stumm verglühter Wunderkerzen
Später Sonnenuntergänge.
Dumpfer hallen Glockenschläge,
Wenn sie schere Wolken schwärzen.

Feucht dampft süßer Duft der Erde
Um vergessene Ruinen,
Über rote Eisenschienen,
Unter stummer Sternenherde.

Sommerstaub, den spült der Regen
Durch die asphaltgrauen Gossen
Braune Blätter, kalt begossen,
Modern auf den Schloßparkwegen.

Blütenduft ist längst versunken.
Musik wirbelt durch den Schädel.
Unter bleiern zähem Nebel
Wankt die alte Seele trunken.

Müder Blick starrt in die Tiefen
Zeitlos stummer Regennächte.
Aus dem schwarzen Astgebreste
Klatschend Regentropfen triefen.

Durch Laternenspülicht fallen
Honigperlentropfenschauer.
Stille Friedhofgrabsteintrauer
Wird noch unbeweint verhallen.

Hektisch schreien in die Schwärze
Fernsehblaue Fensterscheiben.
Gelbes Kerzenlichtertreiben
Süßt die dummen Liebesscherze.

Engel im Gewand aus Leinen
Sammelt die vergessnen Worte,
Bringt sie fort zu jenem Orte,
Wo die Träume nicht mehr weinen.