Nebelnacht

dunkel liegt die alte Stadt
ihr feiner Atem lässt das Laub
auf Schotterwegen rascheln
wattig sind die Nebel jetzt zu fassen
auf Händen lässt sich Nässe spüren
Straßen glitzern einsam und verlassen
Schatten mich auf krumme Bahnen führen

nebelwand_400

ein Fahrrad zieht
betrunken Torkelschleifen,
rote, weiße, flüsternd
blinken Ampeln
über Zebrastreifen

im Haltestellenhaus
lässt Frost das Kunststoffglas
zu fahler Milch gefrieren
wo über Zigarettenglut
Augenpaare blicklos aus
unrasierter Leere stieren

der Tannen Wipfel krönt
ein voller Silbermond
mit Schleierreifen
auch dieser Wald scheint leer
Gedanken, Schritte, Blicke
schweifen ab vom
schmalen Wegestreifen

Worte verloren
wie Blätter im Wind
lassen mich spüren
wie einsam wir sind
angstvoll wie ein
verlassenes Kind
schleiche ich durch
die Nacht und blind
unter der Kälte
die Augen sind
brennend und müde
ob das Flackern
dort in der Ferne
schon Kerzen sind?