Sinkflug

Es hängt über der Stadt
Ein unbekanntes Wetter.
Drohend treibt ein Wind
Ergrauten Straßenmüll
Über den feuchten Schotter.
zu_sinkflug

In den Gassen tragen
Gebeugte Rücken schwer
An den wenigen Worten,
Als wären die Bahnen
Der Sterne und Kometen
Nur noch blasse Erinnerung.

Der große Meteor hat
Die Erde noch verfehlt,
Und in den Pappkartons
Vor glitzernden Bankfassaden
Zerflattern unsere Wertschöpfungsträume.

Eine Montgolfiere sinkt zum Greifen nahe
Über den Dächer nieder.
In den Glasfassaden spiegelt sich
Der Feuerschein des Drachenschreies wieder.

Es wäre der Moment,
Gitarrenmusikwände zu bewohnen
Doch alle Elektronen
Ruhen in den Zonen.
Es wäre der Augenblick,
Sich zu verführen
Doch nirgends eine Frauenhaut,
Um sie zu berühren.
Es wäre an der Zeit,
Zu revolutionieren,
Doch haben immer noch zu viele
Etwas zu verlieren.

Noch sind nicht alle
Sünden begannen,
Quälen uns’re Schatten
Sich weiter vor Verlangen,
Töten uns die wilden Bisse
Sirenenhafter Schlangen.

Fest ruhen noch die Fundamente
Und steht die wohlbekannte Ordnung
Aller Elemente.
Doch hätten wir nicht früher wagen sollen,
Nachzufragen?
Als unsere Sehnsuchtsblicke
Im Kanalgewirr der Sattelitenwelten
Ertranken?
Als in gefluteten Kavernen
Die Depots unserer Zukunftsträume
Versanken?
Als die Codes in den Systemen
Das Fleisch von den Knochen
Unsrer Hände brannten?
Als wir Wahnsinn, Trug und Tand
Noch wahr, real und echt
Benannten?

Sahen wir uns nicht als Sieger
In dem heldenhaften Ringen,
Konnten wir nicht die Natur,
Die Gesetzte und das All bezwingen?
Und ahnten schon, dass am Ende
Dieses Ende doch das Ende ist,
Die kalte Finsternis bereits
Im roten Mark des Lebens frisst.

Dennoch hoffen wir, dass bald
Sich diese Nebel lichten,
Und in den Journalen sie
Gütig über uns berichten,
Dass die späteren Äonen
Trotzdem milde richten
Über unsre Spiele
Mit den Gravitonen.
Denn geopfert haben wir Millionen.
Für das Edle unsrer Ziele
Scheint sich nun
Nicht ein Kampf mehr zu lohnen.
Angebrochen ist die Zeit
Sich an das Fallen zu gewöhnen
Und die Stille zu ertragen
Nach dem rauschenden Maschinendröhnen
Aus blutgetränkten Raubtiertagen.

Das Staunen muss
Dem Raunen weichen,
Und das friedliche Vertrauen
Siecht am kalten Gift
Aus Angst und Grauen.

Sterbend wird der alte Drache
Seine matten Flügel heben,
Und nur in seinem letzten Traum
Nochmals auf dem Nordwind
Himmelaufwärts stürmen.